Höllische Talfahrt 2020

Zurück auf der Stammstrecke

Die große Aufregung von der ersten Soca-Ausfahrt hat sich inzwischen gelegt und zum nächsten Highlight dauert es noch eine knappe Woche. Der ideale Zeitpunkt also, um die Ruhezeit dazwischen für einen Besuch auf unserer Stammstrecke zu nutzen. Einem kräftigen Regenguss vom Vortag verdanken wir es, dass die Schwarza heute Früh am Pegel Singerin einen Wasserstand von passablen 150cm aufweist. Trotz der, für Mitte Juli, selten so guten Wasserführung wird nur eine verkürzte Route bis Kaiserbrunn gewählt, da am Nachmittag noch der Besuch des Holztrift- und Forstmuseums bei der Schöpfelklause ansteht.

Aufgrund des vollen Terminkalenders sammeln sich Julian, Fiona, Lorenz, Eva und Philipp deshalb schon früh im Höllental um rechtzeitig um 10:00 die frischen Walderdbeeren am Ufer des Nassbachs zu verputzen. Schon in Sichtweite folgt die Mündung in die Schwarza, wo das erhöhte Wasseraufkommen dann die ersten Einschwünge und Stützschläge zulässt, ohne die Flusssohle umzugraben. Kurz darauf teilt sich die Schwarza zwischen stark überwachsenen Schotterbänken auf mehrere Flussläufe auf, von welchen nur einer für uns Paddler interessant ist.

Dummerweise führt genau dieser eine Wasserarm im weiteren Verlauf immer näher und enger an das rechte Flussufer heran. So nah, dass die überwuchernde Uferböschung wie ausgestreckte Arme bei einem Musikkonzert nach den verschwitzten Handtüchern und gebrauchten Drumsticks der Band fischen, welche die Künstler am Ende des Auftritts in die Menge werfen. Und kommt man dieser erst zu nahe, dann gibt sie sich mit einem verschwitzten Handtuch nicht zufrieden. Nein, sie will dem Fan neben sich auch noch den Drumstick entreißen, welcher sich gerade mit drei anderen Fanatikern um die leere Wasserflasche des Leadsängers prügeln.

Halt. Verzeihung. Ich hab wohl ein bisschen Entzugserscheinungen. Egal. So, oder so ähnlich muss sich Eva gefühlt haben als sie in die markante S-Kurven-Kombination fährt, welche zuletzt Martin im Aufblaskajak zum Verhängnis wurde. Am Ausgang spuckt die Schwarza Eva wieder aus: ohne Paddel, ohne Boot und ohne die leere Wasserflasche des Gitarristen. Fiona ist von Eva’s Vorstellung im Chaos des Moshpit derart beeindruckt, dass sie lieber den Notausgang wählt und ihr Kendo über eine seichte Felsrutsche steuert.

Der restliche Verlauf der Schwarza ist wie der Humor bei einem „Die Ärzte“-Konzert: eher flach, gespickt mit jeder Menge Spielereien, altbekannt und doch immer wieder lustig. Die Freiheit bietet Scream-Gesang, untermahlen von dröhnenden Djent-Akkorden, welche nach der Prallwand in melodiöses Akustikgitarrenspiel überwechseln, bevor die Frequenz des Basses beim Hochsteg nochmal so tief gedreht wird, dass die Fische im Bach über der Wasseroberfläche schweben, während das Schlagzeug die Wellen in der Luft zerreißt. Am Ende heizt „The Prodigy“ nochmal so richtig ein. Hä? Verdammt!

Ich meine… Am Ausstieg wird dem Gasthaus in Kaiserbrunn nach Langem mal wieder ein Besuch abgestattet bevor wir zwei Täler weiter die Überreste der Holztriftanlagen im Schwechattal bestaunen dürfen. Ein besonderes Highlight stellt ein historischer Dokumentarfilm über die Trift aus dem frühen 20. Jahrhundert dar, welcher Kajakern sowohl Neid über die Wassermassen als auch Furcht über das viele Holz im Fluss aufkommen lässt. Interessierten sei ein Besuch des Holztrift- und Forstmuseum Schöpflklause sehr ans Herz gelegt. Dann bis zum nächsten Novar… Mist!

Euer Paddelclub Pernitz